19.05.2010
19.05.2010
Hubert Haering: Ein dicker Schuppi
HUBERT HÄRING: EIN DICKER SCHUPPI
Einige freie Tage standen wieder einmal im Kalender und somit fiel die Entscheidung ziemlich einfach, wie ich sie verbringen wollte. Die Anfahrt zu einem großen See in Süddeutschland war ziemlich unproblematisch und die Platzwahl nicht allzu schwierig.
Der Kamerad war nicht von schlechten Eltern und mit so einem Brocken hatte ich beim Drill auf keinen Fall gerechnet.
An meinem Platz angekommen, versorgte ich den Schuppinger erst mal mit dem Carpsack und fuhr dann die Rute wieder raus. Anschließend kroch ich wieder in meinen Sack und ließ das eben erlebte, erst mal Revue passieren.
Am nächsten Morgen durfte der Schuppi noch mal auf die Abhakmatte und wurde ausgiebig vermessen und fotografiert.
Er war genau 1 m lang und die Zeiger von zwei unterschiedlichen Waagen, blieben beide bei 26,2 kg stehen.
Leider sollte das der einzige Karpfenbiss in all den Urlaubstagen bleiben - den anderen Fischen schlug anscheinend der Wetterwechsel und die Abkühlung, so auf den Magen, dass nicht mal mehr die Brachsen Appetit verspürten.
Schon nach kurzer Zeit stand die Suite versteckt hinter den Uferbüschen und das Schlauchboot wartete aufgeblasen auf seinen Einsatz.
Jetzt musste nur noch das Festmenü für unsere geschuppten Freunde hergerichtet und zusammengemischt werden. Zum Füttern wollte ich einen Partikel-Pelletmix( MTX Pellets und Chunks) verwenden und die Proton RRP Boilies.
Als Hakenköder sollte ein halber RRP und ein halber Neon Yellow Cream Pop Up zum Einsatz kommen. Die Spotsuche war relativ unkompliziert, da ich diesen Platz bereits mehrere Male befischt hatte und auch schon jede Menge Schneidertage verbuchen konnte.
Das sollte sich eigentlich dieses Mal wieder ändern, aber wissen konnte man es ja nie so genau, was da alles daher kommen konnte - außerdem meldete der Wetterfrosch auch wieder die komplette Wetteränderung, mit Regen und Kälte.
Jetzt mussten also nur noch die Fallen aufgestellt werden und schon konnte ich zum gemütlichen Teil der ganzen Fischerei übergehen. Die anschließenden Stunden vergingen ziemlich ruhig, außer dass es leicht zu regnen anfing und der Wind von West nach Ost drehte.
Mitten in der Nacht meldete sich dann zum ersten Mal meine Alarmanlage - aber nur mit einem Fallbiss anstatt mit einem richtigen Vollrun. Das Ergebnis hatte ca. 6 Pfund und jede Menge Schuppen - man konnte es auch als Brachse bezeichnen. Das war dann leider schon die einzige Aktivität in der ersten Nacht.
Am nächsten Tag ging es mit dem traurigen Mistwetter genauso weiter und keinerlei Fischaktivitäten waren irgendwo erkennbar.
Ich wusste ja schon von früheren Ansitzen, dass tagsüber nicht viel los ist - außer vielleicht mal die Brachsen oder Schleien, aber nicht mal die wollten lästig sein. Am Abend gab es wieder eine schöne Portion Pellets + Knödel + neue Hakenköder - genau wie am ersten Tag. Der Abend verlief auch wieder ziemlich ruhig - das einzige Lebewesen am See, das richtig Stress hatte, war anscheinend die Biberfamilie, die sich ganz gut beobachten ließ.
Ich schlief schon früh ein und dieses Mal läuteten die Kirchenglocken um 3.15 Uhr zum Gebet.
Die Schnur lief ganz langsam von der Bremse und ich nahm die Rute auf und stieg auch gleichzeitig ins Boot, da das unbekannte Etwas schnurstracks auf die Büsche am Ufer zusteuerte.
Der Fisch machte keinen besonderen Zirkus, sondern zog immer schön gleichmäßig in eine Richtung und ich konnte ihn schon bald einholen und merkte, wie ich den Schlagschnurknoten durch die obersten Ringe kurbelte. Jetzt war mein Gegner also nicht mehr weit, sondern eher tief. Schon kurze Zeit später sah ich den Schuppi zum ersten Mal im Schein meiner Stirnlampe. Er wirkte im Wasser noch gar nicht so kapital. Erst als ich ihn mit dem Keschernetz ins Boot hob, merkte ich sein Gewicht und konnte auch seine Breite erkennen.